Will man auf YouTube mit seinem eigenen Kanal durchstarten, dann braucht es logischerweise auch Videos, mit denen der Kanal befüllt wird. Doch die Geschichte ist nicht so ganz einfach, weil YouTube zwei verschiedene Formate anbietet, die man dafür nutzen kann. Es gibt zum einen die klassischen langen Videos, die auch mehrere Stunden lang sein können und seit ein paar Jahren die Shorts als kurze Varianten. So gilt es zu überlegen, was besser ist und was für den eigenen Kanal eher eingesetzt werden sollte.
Seit es YouTube gibt, kann man das lange Video (im englischen Sprachgebrauch: Long-Form) hochladen. Das können Videos sein, die nur ein paar Minuten lang sind, aber auch Videos mit vier Stunden Länge sind möglich. Wer viel zu erklären hat, wird mit diesem Videoformat reichlich Platz finden, um ins Detail gehen zu können, aber man braucht auch seine Zeit, um die Aufnahme durchzuführen, abhängig natürlich davon, wie aufwändig man sein Video auch gestalten möchte.
Vorteile des langen Videos
Nachteile des langen Videos
Mit dem langen Video kann man Vertrauen schaffen und bietet sich als Expertin oder Experte für ein bestimmtes Thema an. Das führt dazu, dass die Leute sich die Videos gerne anschauen und immer wieder zum Kanal zurückkommen. Bei großen Kanälen ist auch zu beobachten, dass man zum Beispiel weiß, dass jeden Freitag ein neues Video hochgeladen wird und man freut sich bereits darauf, auch wenn man das Thema noch gar nicht kennt.
Aber das lange Video ist gerade am Beginn eines Kanals zäh, weil es lange dauert, bis die Dynamik einsetzt. Viele geben auf, bevor sie in diese Phase eintreten können. Es gibt Kanäle, die nach drei Jahren durchstarten, andere sind schneller unterwegs. Doch ein Schnellschuss gelingt sehr selten.

Im Gegensatz zum langen Video hat YouTube als Reaktion auf TikTok und Instagram die Shorts eingeführt. Das sind kurze Videos, die ursprünglich nicht länger als eine Minute sein durften, mittlerweile sind drei Minuten zulässig.
Vorteile der Shorts
Nachteile der Shorts
Mit den Shorts kann man schnell Abonnenten gewinnen und Videos hochladen. Für Einsteiger ist das Format spannend, weil man auch mit einem wenig gelungenen Video ein paar Hundert Leute erreichen kann. Abonnenten sind viel schneller erreicht als mit dem langen Video. Aber lange Erklärungen sind nicht möglich.
Die Frage ist nun für einen neuen YouTube-Kanal oder auch für einen, der nach Misserfolg umgebaut und neu gestartet werden soll, ob man eher auf die langen Videos oder auf die Shorts setzen sollte. Ist vielleicht die Kombination der beste aller Wege?
Dazu muss man einmal verstehen, dass die beiden Formate ein komplett unterschiedliches Publikum anlocken. Die Leute, die sich lange Videos ansehen, sind an umfangreicher Information interessiert. Sie wollen sich zum Beispiel eine komplette Sportveranstaltung, ein Match oder auch ein Konzert anschauen und nicht nur eine Minute davon. Sie wollen bei Erklärungen umfassend informiert werden.
Die Short-Freaks hingegen wollen die schnelle Unterhaltung und wischen schnell weiter, wenn das Video nicht gefällt. Es ist richtig, dass inzwischen Shorts drei Minuten lang sein dürfen, aber die wenigsten an Shorts interessierten Leute sind darauf aus. Die erfolgreichsten Shorts haben vielleicht 30 bis 40 Sekunden an Dauer. In dieser Zeitspanne kann man kaum die Abseitsfalle im Fußball erklären oder Tipps für die Buchhaltung oder den Schriftverkehr übermitteln. Das bedeutet aber auch, dass die Verlinkung von langen Videos kaum Sinn macht, weil die Leute weiterhin Shorts sehen wollen.
Wir haben es also mit zwei verschiedenen Videoformaten zu tun, die ein unterschiedliches Publikum oder auch ein unterschiedliches Seherverhalten nach sich ziehen. Man kann aber wichtige Faktoren als Kriterien herausfiltern und auf diese Art und Weise überlegen, was eher entspricht.
Beide Formate haben ihre Vorteile und Nachteile. Will man mit seinem YouTube-Kanal langfristig punkten, führt kein Weg an den langen Videos vorbei. Sie sorgen dafür, dass man sich in einem bestimmten Bereich als verlässliche Quelle etabliert und die Videos über Sportregeln sind auch nach Jahren noch gültig und werden mit der Zeit sogar noch interessanter und beliebter. Oder denken wir an Konzertmitschnitte, die zehn Jahre alt sind und heute noch geschaut werden. Bei den Shorts funktioniert das nicht, die sind nach wenigen Tagen verschwunden, auch wenn man sie vielleicht über eine Suche noch finden kann.
Man kann aber mit den Shorts ein paar Abonnenten schnell, viel schneller an Land ziehen, doch die meisten wechseln nicht zu den langen Videos. Und auch bei den Shorts kann es passieren, dass man Mühe hat, richtig erfolgreich zu sein. Der so oft dargestellte schnelle Erfolg mit 1.000 Abonnenten innerhalb von drei Wochen ist nicht realistisch. Er ist möglich, aber nicht realistisch. Auch ein Projekt mit 30 Tagen und jeden Tag ein Short bringt nicht den garantierten Erfolg, der so oft versprochen wird.
Für den langfristigen Erfolg wird man also die langen Videos brauchen, es sei denn, man setzt voll auf Shorts und liefert nahezu täglich neue Videos, die die bisherigen im Erfolg ersetzen. Dazu braucht es dann aber auch sehr viel Content, wenngleich das einzelne Video rasch erstellt sein mag.
Zum Abschluss ein paar wichtige Kennzahlen:
Kurzfristig mag man mit den Shorts viel erfolgreicher sein als mit den langen Videos: Mehr Abonnenten und mehr Aufrufe (viel mehr), aber langfristig gewinnt ein Kanal mit den langen Videos. Hat man jedoch einen erfolgreichen Kanal mit ein 2.000 oder mehr Abonnenten aufgebaut, kann man mit den Shorts viel leichter auch viral gehen, weshalb beide Formate durchaus kombiniert werden können. Aber umgekehrt wechseln kaum Leute von den Shorts zu den langen Videos.
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