Sehr viele Leute versuchen auf YouTube einen erfolgreichen Kanal zu betreiben, doch die große Mehrheit scheitert bei diesem Vorhaben. Das liegt weniger daran, dass die hochgeladenen Videos nichts taugen, also viel mehr an der Tatsache, dass man sich verzettelt. Das gilt für manche Machart der Videos, vielleicht auch für manche Reihenfolge, aber in erster Linie fehlt es an Verständnis, wie der Algorithmus von YouTube denkt und handelt. Startet man einen neuen Kanal oder möchte einen misslungenen neu zum Durchstarten bringen, dann sollte die erste Überlegung sein, was der Kanal bieten soll, ergo welches Thema er hat.
An sich ist es ja nicht so schlimm, wenn man verschiedene Videos aus unterschiedlichen Bereichen hochlädt. Das Hochladen funktioniert und es interessieren sich manche Leute für das Thema A, andere für das Thema B. Für Anfänger auf YouTube ist das durchaus erfolgreich, doch man erkennt das Problem nicht, das damit einhergeht.
Die Schwierigkeiten fängt man sich nämlich auf zwei Ebenen ein:
Praktisches Beispiel
Nehmen wir einmal an, auf einem sehr neuen Kanal gibt es 20 Videos zum Thema Fußball und 20 Videos zum Kochrezepte. Der Kanal hat einen guten Start hingelegt und hat es schon auf 200 Abos gebracht, doch es geht jetzt nicht mehr viel weiter und der Betreiber weiß nicht so recht warum. Doch das ist schnell geklärt. Als Annahme unterstellen wir, dass 100 Abos für Fußball und 100 Abos für die Kochrezepte erreicht worden sind.
Wird nun ein neues Video über den Fußball hochgeladen, dann gibt es zwei Reaktionen:
Das bedeutet, dass die Leute ein Abo aktivieren, weil sie an einer bestimmten Thematik interessiert sind. Natürlich kann es Schnitzelrezepte geben, die Veganer nicht interessieren oder vegane Rezepte, die andere nicht mögen. Aber immerhin geht es um Kochrezepte. Fußballfans können damit aber nichts anfangen, denn sie wollen Sportvideos sehen.
Bildquelle: pixabay.com / kaboompics
Praktisches Beispiel: der Algorithmus
Gehen wir noch einen Schritt weiter und schauen uns an, was der Algorithmus von YouTube so treibt. Der freut sich über ein neues Video und bietet es den Abonnenten an. Er erkennt:
Das Fazit des Algorithmus und damit YouTube als System bedeutet also, dass in der nächsten Ebene der Abonnenten und Fans schon die Hälfte nichts mit dem Video anfangen kann. Somit hat man ein Wachstumsproblem, weil wenn diese Personengruppe generell das Video mag, wird einer größeren Gruppe das Video angeboten und wenn die auch mag, einer noch größeren, womit das Video auch viral gehen kann. Fällt das Video aber bereits bei der eigenen Fangemeinschaft durch, dann wird es kaum Aufrufe, Likes und Erfolg geben.
Wenn man dieses Prinzip verstanden hat, ist die Entscheidung klar: Der YouTube-Kanal muss ein klares Thema haben, damit sowohl das Interesse der Abonnenten als auch des Algorithmus berücksichtigt ist. Im aktuellen Fall muss man sich überlegen, ob man lieber auf Fußball setzt oder doch die Kochvideos bevorzugt. Denkbar wäre auch, wenn man viele Inhalte hat, dass man zwei Kanäle aufbaut, wobei die Frage ist, ob man die Zeit hat, um beide gleichermaßen zu betreuen.
Der wichtigste Ratschlag ist dabei, dass man sich überlegt,
Zentrale Überlegung muss es sein, was mehr Spaß macht. Empfindet man keinen Spaß am Kanal, wird man bald aufgeben und ein Erfolg ist nicht zu schaffen. Die größere Zielgruppe ist natürlich für den Erfolg eine wichtige Information, aber man muss selbst dahinterstehen können.
Seit YouTube die Shorts eingeführt hat, kann man zwischen den kurzen Videos (Stand 2026: jetzt schon bis 3 Minuten Länge) und den langen Videos wählen. Das scheint auf den ersten Blick hochinteressant zu sein, birgt aber eine große Falle. Denn die Leute, die sich Shorts anschauen, ticken ganz anders als die Leute, die sich lange Videos anschauen.
Ein Gedankenspiel
Nehmen wir einmal an, wir betreiben einen Kanal auf YouTube, bei dem es rein um Witze geht. Ich kann einen einzelnen Witz als Short anbieten, ich kann aber auch ein längeres Video mit 20 Witze hochladen. Nun habe ich den Kanal gestartet und die Shorts haben ganz gute Aufrufe gebracht und die ersten 20 Abonnenten sind erreicht. Die langen Videos haben hingegen noch nicht wirklich funktioniert.
Wenn man sich jetzt die Daten anschaut, sieht man, dass die Abonnenten durch die Shorts erreicht worden sind und man freut sich, dass diese Leute die neuen langen Videos angeboten bekommen. Doch das kann leicht nach hinten losgehen, weil:
Die erste Gruppe scrollt jeden Tag auf TikTok, Instagram oder YouTube Shorts durch die Gegend. Binnen Sekunden entscheiden sie, ob sie sich ein Video anschauen oder weiterscrollen, ergo weiterwischen. Sie haben keine Lust, sich ein Video von fünf Minuten Länge an zuschauen, selbst Shorts mit einer Minute Länge sind oft chancenlos. Wenn sie jetzt ein langes Video angeboten bekommen, entspricht das nicht ihrem Interesse und es kann sogar sein, dass sie das Abo wieder abdrehen.
Wenn wir uns die zweite Gruppe anschauen, dann haben wir es mit Leuten zu tun, die an den Inhalten interessiert sind und gerne länger zuschauen. Vielleicht gibt es gute Erklärungen zu den Fußballregeln oder zu den Kochtipps (um beim obigen Beispiel zu bleiben) und das mögen sie. Kaum eine Regel ist in 30 Sekunden vollständig zu erklären und die Kochtipps will man nicht hektisch sehen, sondern in Ruhe und vollständig.
Fazit
Es gilt zu beobachten, welches Format mehr Leute sehen wollen. Das ist wichtig zu verstehen, um die Motivation einschätzen zu können. Kompliziert wird es, wenn beides zutrifft. Bei Witze ist das Short-Format sicher besser, bei längeren Erklärungen das lange Video, aber auch abhängig vom Interesse des Publikums.
Man kann aber beides machen: Shorts hochladen und die langen Videos ebenfalls anbieten. Dabei gibt es einen Trick. Es besteht nämlich die Möglichkeit, dass man beim Hochladen in den erweiterten Einstellungen die Funktion "Im Abofeed veröffentlichen" deaktiviert. Das klappt nur direkt beim Hochladen und verhindert, dass die Short-Fans ein neues langes Video angeboten bekommen und umgekehrt.
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