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Implizite Kosten als Opportunitätskosten

Kosten ohne Zahlung als Folge von Verzicht

Der Gewinn eines Unternehmens wird in der Buchhaltung im Rahmen des Rechnungswesens genauso ermittelt wie auch im Rahmen der Volkswirtschaftslehre (VWL). Aber dabei kommt selten das gleiche Ergebnis heraus, weil die Kostenfrage unterschiedlich beurteilt wird - ein Unterschied, der sehr schwerwiegend sein kann und sich direkt auf die Opportunitätskosten beziehen lässt.

Opportunitätskosten sind Kosten, die aufgrund von Verzicht entstehen. Eine Privatperson hat eine bestimmte Summe Geld und kann sich Produkt A oder B leisten. Damit wird eine Entscheidung getroffen, die gegen ein bestimmtes Produkt ausfallen wird. Diese gleiche Entscheidung wird im Unternehmen tagtäglich und meist mehrfach durchgeführt und führt unweigerlich zu einem Verzicht von Einnahmen.

Ein gedankliches Beispiel

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Ein Einzelunternehmer kauft Papier für den Drucker und ist in der Lage, eine Dienstleistung als Buchhalter anzubieten, wofür EUR 50,-- die Stunde verrechnet wird oder als Bilanzbearbeiter mit einem Stundensatz von EUR 150,--. Er entscheidet sich für zweitere Aufgabe und das bedeutet im Sinne der Opportunitätskosten folgendes:

a) die Kosten für das Druckerpapier sind explizite Kosten, weil sie einer tatsächlichen Ausgabe (Zahlung) entsprechen. Man hat dafür wirklich Geld in die Hand genommen

b) der Verzicht auf die Einnahmen als Buchhalter sind implizite Kosten. Sie stehen in keiner Buchhaltung, es wurde nichts bezahlt, es gibt keine Rechnung. Aber man hat nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft - weil dies auch gar nicht geht.

Dieses Beispiel mag nun sonderbar anmuten, doch die Überlegung mit den impliziten Kosten hat eine wesentliche Grundlage in der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit. Sehr gerne werden hier die Finanzen bemüht.

Wenn man sich vorstellt, dass man für ein neues Unternehmen zahlt - zum Beispiel für ein Bürogebäude oder für einen Maschinenpark, dann ist dieses Geld eines, das man nicht mehr für etwas anderes einsetzen kann. Würde man das gleiche Geld zur Bank bringen, könnte man jedes Jahr einen schönen Betrag an Zinsen einnehmen, zum Beispiel einen Zinsertrag von EUR 40.000,-- für einen hohen Geldbetrag.

Der Ökonom sieht in den 40.000,-- implizite Kosten, der Buchhalter sieht gar nichts - es gibt keine Rechnung für den Zinsentgang. Wenn nun das Geld zur Hälfte per Kredit finanziert wird, sieht der Buchhalter 20.000,-- als Zinszahlungen, was explizite Kosten bedeutet. Der Ökonom sieht noch immer 40.000,--, wobei die Hälfte explizite und die andere Hälfte implizite Kosten darstellt.

Bei der Beurteilung des Gewinns kommen so wesentlich andere Werte heraus als bei der Buchhaltung. Der wirtschaftliche Gewinn ist aufgrund der impliziten Kosten deutlich geringer als der buchhalterische, bietet aber einen realistischeren Überblick über die tatsächliche Sachlage.

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Erlöse und Gewinne der Unternehmen sind für die gesamte Volkswirtschaft von großer Bedeutung. Der Gewinn interessiert das Finanzamt wegen der zu erwarteten Steuerzahlungen, aber in der Volkswirtschaft geht es um noch viel mehr, weil Investitionen, Arbeitsplätze und viele weitere Themen damit verknüpft sind. Der unternehmerische Gewinn ist daher ein wichtiger Begriff ebenso wie der Gesamterlös.

Aber auch die Kosten sind ein wichtiges Analysekapitel in der Volkswirtschaft mit durchaus anderen Ansätzen. Definitionen wie Kosten oder Gesamtkosten kennt man in der Kostenrechnung und Buchhaltung auch, aber die Opportunitätskosten als entgangene Möglichkeiten trifft man dort nicht an. Eine Unterscheidung gibt es auch zwischen explizite Kosten und implizite Kosten.

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