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Schleichende Inflation

Schleichende Inflation: geringer Anstieg

Neben der Erkennbarkeit der Inflation gibt es ein zweites Kriterium zur Untergliederung der Inflationsraten und zwar die Geschwindigkeit. Die langsamere Variante der Inflation nennt man "schlechende Inflation" und unterscheidet sich damit deutlich von der gefährlicheren und schnelleren Inflation, der "galoppierenden Inflation", oft auch als Hyperinflation bezeichnet.

Geringe Preisanpassungen pro Jahr

Als schleichende Inflation wird eine solche bezeichnet, bei der sich die Preissteigerungen anhaltend zeigen, aber die Höhe des Anstiegs klein bleibt. Bei normaler Wirtschaftssituation kann man als Kriterium den Zinssatz für die Eckzinssparbücher heranziehen. Die Inflation steigt nicht höher als dieser Zinssatz. Wenn natürlich die Wirtschaft in einer Krise steckt, sind die Zinsen so niedrig, dass der Vergleich kaum haltbar ist.

Wenn man sich die Inflation im deutschsprachigen Raum, zum Beispiel in Österreich oder auch in Deutschland, ansieht, so findet man eine schleichende Inflation vor. Seit vielen Jahren steigen die Preise an, aber in einem moderaten Ausmaß, wodurch sich die schleichende Inflation von ihrem Gegenstück unterscheidet - der galoppierenden Inflation. Diese ist so definiert, dass sie ab etwa 10 % Preisanstieg aktiv wirkt, eine Hyperinflation ab 50 % Preisanstieg.

Dennoch ist die schleichende Inflation bemerkenswert, wenn man sich bestimmte Produkte und ihr Preisniveau ansieht, zum Beispiel einen Liter Milch als Vergleich und der Verlauf des Preises innerhalb von einem Jahrzehnt.

Schleichende Inflation und ihre Auswirkungen

An sich kann es nicht gut sein, wenn die Preise steigen, weil dann werden die Produkte teurer und dennoch gilt im Kapitalismus, dass jedes Jahr ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent erreicht werden soll und gleiches gilt für die Inflation. Die Inflationsrate wird zum Kriterium für die Lohnanpassung, die jedes Jahr im Herbst ausverhandelt wird. Die schleichende Inflation verteuert damit also nicht nur die Produkte, sondern erhöht auch die Kosten für Unternehmen durch Anpassung der Löhne und Gehälter.

Es gibt aber auch innerhalb der schleichenden Inflation verschiedene Szenarien. Denn obwohl die Inflation meist bei 1,5 bis 2,5 % zu finden ist, kann es auch einen hohen Wert von 4,0 und mehr geben, weil die Inflation nach wie vor stark mit dem Erdöl verbunden ist. Als das Erdöl vor der globalen Wirtschaftskrise erstmals auf über 160 US-Dollar pro Fass gestiegen war, verteuerte sich jeder Transport, jedes Flugticket und damit auch viele Lebensmittel und andere Produkte. Das war keine galoppierende Inflation, aber eine sehr stark spürbare.

Umgekehrt hat ein ungewöhnlich günstiges Erdöl Anfang 2016 bis weniger als 30 Dollar pro Fass dazu geführt, dass es in der Eurozone fast eine Deflation gab, weil der Vergleich der Treibstoffpreise und auch des Heizöls zum Vorjahr deutliche Minuswerte aufwies und die Gewichtung dieser Produkte in der Inflationsberechnung weiterhin eine hohe ist.

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